Übersetzung aus dem Deutschen von Mircea Ivănescu
Besetzung: Mircea Dragoman
Regie: Cătălin Bocîrnea
Regieassistenz: Rebecca Rauh
Bühnenbild: Raul Cioabă
Technik: Paul Stroia
Ton: Cosmo Stanciu
Ausgehend von einer der wichtigsten autobiografischen Schriften von Franz Kafka wurde das Stück „Brief an den Vater“ – preisgekrönt als bestes Dokumentartheater – im Jahr 2024 im Goethe-Institut Bukarest im Rahmen der Veranstaltungen zum Kafka-Jubiläum uraufgeführt.
Seit der Premiere erfreut sich die Inszenierung ungebrochener Beliebtheit und wurde auf zahlreichen Bühnen in Rumänien aufgeführt
Mit dem Schauspieler Mircea Dragoman in der Hauptrolle schafft „Brief an den Vater“ eine bedrückende Atmosphäre und vermittelt in fesselnder Weise die psychologische Spannung. Der Zustand äußerster Klarheit, den seine Vision in uns hervorruft, grenzt an einen Albtraum.
„Durch den Einsatz von performativen Elementen, Mikrofonen, Fernsehern, Lautsprechern, Stativen und Lichtdesign wird der Bühnenraum nach und nach zu einem Symbol für Tumult, Gedränge, Druck und Unterdrückung. Das Projekt schlägt eine performative Multimedialen Installation vor. Durch die Kombination von Elementen aus Theater, Videokunst, Ton und Interaktion mit dem Publikum schaffen wir ein immersives Erlebnis, das die turbulente Beziehung zwischen Kafka und seinem Vater erforscht. Die Aufführung bietet dem Publikum einen tiefen Einblick in Kafkas Psyche und die Vielschichtigkeit familiärer Beziehungen. Die szenischen Elemente beleuchten universelle Themen wie das Bedürfnis nach elterlicher Anerkennung, den Kampf um Identität und die emotionale Wirkung ungelöster Konflikte. Mircea Dragoman veranschulicht durch eine intensive und fesselnde Darstellung Kafkas Leiden und Verletzlichkeit und lädt die Zuschauer dazu ein, über ihre eigenen Beziehungen und persönlichen Erfahrungen nachzudenken.“ (Cătălin Bocîrnea)
Als Erstgeborener von Hermann und Julia Kafka war Franz dazu verpflichtet, den Namen Kafka weiterzuführen und eine Fortsetzung seines Vaters zu werden. Seine „Pflichten“ als Erstgeborener, die Mischung aus Schuld, Furcht, Vergebung und Ängsten, veranlassen Franz, seinem Vater einen Brief zu schreiben, in dem er seine ganze aufgestaute Enttäuschung, seine Bemühungen, die als Vergebung gedacht waren, und die unausgesprochenen Dinge zum Ausdruck bringt. In einer direkten und bewegenden Geste der Offenbarung analysiert Franz, ähnlich wie der Protagonist in „Der Prozess“, die Ungerechtigkeit, die sich im Falle dieses Briefes in der ewigen Spannung mit seinem Vater zeigt. Nur durch das Schreiben gelang es Kafka, sich gegen seine seit seiner frühen Kindheit so prägende Vaterfigur zu wehren, und ebenfalls durch das Schreiben versuchte er, die schwierige Beziehung zum Vater zu retten. Der Brief wird nur Literatur bleiben, da Hermann Kafka ihn nie bekam. Franz hatte ihn seiner Mutter gegeben und sie gebeten, ihn weiterzuleiten, was jedoch nie geschah.
(Eroilor-Str. 29)